Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen

h e r a u s g' e g e b e n

Vdii der

Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung

der deutschen Meere in Kiel

und der

Biologischen Anstalt auf Helgoland.

I m A u 1 1 r a g e de s

Königl. Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und des Königl. Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal -Angelegenheiten.

IXeixe I^ola'e^. Z>v€*itei" I^fiiicl.

Mit 45 Tafeln und 40 Figuren im Text.

Kiel und Leipzig. /^^^i^^^^C

Verl a g v o u L i p s i u s t\r Tis e h e r.

1897. IzlLltRAÄ

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Inhalts-Verzeichnis

zu Band II.

Heft 1.

Beiträge zur Fauna der südöstliclien und östlichen Nordsee. II. Tlieil. s?eite

V. Die Polychaeten - Fauna der deutschen Meere einschliesslich der benachbarten und

verbindenden Gebiete. Von Dr. W. Michaelsen. Hierzu Tafel I . . . I Beiträge zur Meeresfauna von Helgoland.

VI. Beitrag zur Kenntnis der i-habdocoelen Turbellarien Helgolands. Von Dr. Carl

(trafen Attems. Hierzu Tafel II 219

VII. Nachträge zur Fisch- und Molluskenfauna Helgolands. I. Von Prof. Dr. Heinclce.

Mit 4 Figuren im Text 2.83

Eier und Larven von Fischen der deutschen Bucht. Von Dr. Ernst Ehrenbaum. Hierzu

Tafel III— VI 253

Beiträge zur Kenntnis der Meeresalgen. Von Dr. Paul Kuckuck.

i. Über Rlwdodermis parasitica Batters. Hierzu Tafel VII und VIII 329

2. Über Rhodochortoa memhi-anaceum Magnus, eine chitinbewohnende Alge. Mit 7

Textflguren 337

3. Die Gattung J\Jikrosi/phar Kuckuck. Hierzu Tafel IX und X 349

4. Über zwei höhlenbewohnende Phaeosporeen. Hierzu Tafel XI XIII u. 2 Textfiguren 359 Bemerkungen zur marinen Algenvegetation von Helgoland. II. Von Dr. Paul Kuckuck. Mit

21 Figuren im Text 371

Beiträge zur Meeresfauna von Helgoland.

VIII. Die Cumaceen und Schizopoden von Helgoland nebst neueren Beobachtungen über ihr Vorkommen in der deutschen Bucht und in der Nordsee. Von Dr.

E. Ehren bäum 403

IX. Die Girripedien Helgolands. Von Dr. W. Weltner 437

X. Die Hydromedusen Helgolands. Zweiter Bericht von Dr. Clemens Hartlaub.

Hierzu Tafel XIV— XXIII 449

Die Thätigkeit der Kgl. Biologischen Anstalt auf Helgoland in den Jahren 1894 1896. Zweiter

Bericht des Direktors. Mit 2 Figuren im Text 537

Heft 2.

Die Nordsee-Expedition 1895 des Deutschen Seefischerei- Vereins.

Über die Eimenge der im Winter laichenden Fische. Von Prof. V. Heusen und

Dr. C. Apstein. Mit 20 Tafeln und 4 Figuren im Text 1

Untersuchungen über den Pflanzenwuchs in der östlichen Ostsee. I. Von .1. Reinke 99

herausgegeben

von der

Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung

der deutschen Meere in Kiel

und der

Biologischen Anstalt auf Helgoland.

Im A u 1 1 r a !>■ e des

ö

Königl. Ministeriums für Landwirtsciiaft, Domänen und Forsten und des Königl. Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegeuheiten.

Heft 1. Abt. 1.

Mit 6 Tafeln und 4 Fieuren im Text.

Kiel lind Leipzig. Verlag von Lipsins & Tischer. 189G.

Aus der Biologischen Anstalt auf Helg-oland.

Beiträge

zur

Fauna der südöstlichen und östlichen Nordsee.

Ergebnisse dreier wisseiiscliiiftliclier liitersiiclmiii>sfalirteii in den Jahren ISSO und ISÜO,

im Auftrage der Sektion des deutschen Fischerei -Vereins für Küsten- und Hochseefischerei

a u s g e f ü h r t

von

Prof. Dr. Fr. Heincke.

Herausgegeben von der Biologischen Anstalt auf Helgoland.

IL T e i 1.

V. Die Polyeliaeten-Faiuia der deutschen ]\Ieere einschliesslich der l)enaclil)iirteii und verbindenden Gebiete. Von Dr. W. Michaelsen. (Hierzu Tafel I.)

Aus der Biolog-isclien Anstalt auf Helgoland.

Die

Polyeliaeteufouna der deutsclien Meere

einschliesslich der benachbarten und verbindenden Gebiete.

Von

Dr. W. Michaelsen

in Hamburg.

Mit Tafel I.

V 0 r v^ o r t.

J^ic \orliegeiKle Abhandlung entstand im Anschluss an die Untersuchung der Nordsee-Polychaeten, '=*"'^' welche von den Expeditionen der „Sektion für Küsten- und Hochseefischerei" heimgebracht wurden. So reichhaltig dieses Material ist, würde es doch nur ein sehr lückenhaftes Bild von der Polychaeten-Fauna des durchforschten Gebietes darbieten. Die Fänge sind fast aus- schliesslich das Resultat \im Dredgungen. Die Strandfauna mit ihren charakteristischen Formen ist in der Sammlung l)einahe gar nicht vertreten. Um diese Lücke auszufüllen, und ein, wenn nicht vollständiges, so doch weniger verzerrtes Bild von der Polychaeten-Fauna der Nordsee zu schaffen, nahm ich das Material des Xaturhistorischen Museums in Hamburg zu Hülfe. Diese Sammhmg enthält eine grosse Zahl von Polvehaeten aus deutschen INIeeren. Ein nicht un- wesenthcher Teil derselben Avurde von Herrn Professor P a g e n s t e c h e r , weiland Direktor des Museums, bei Helgoland gesammelt; der grössere Teil stannnt aus meinen eigenen Sammlungen, die ich vor Jahren in Kiel, AVilhelmshaven und Cuxhaven zusammenstellte.

Als mir später auch die Biologische Anstalt auf Helgoland ihre schöne Polychaeten- Sammlung übersandte, nahm das mir zur Verfügung stehende Material einen Umfang an, der den Plan einer S^^lopsis der Xordsee-Polychaeten genügend l)egründet erscheinen liess.

Die zum Teil übeiraschenden Resultate, welche die Untersuchung der ursprünglich nur zur Yergleichung herangezogenen Polychaeten aus der Kieler Bucht lieferte, veranlassten mich, auch die Ostsee in das zu erörternde (xcbiet emzuschliessen; daraus ergab sich in naturgemässer Folgermig eine fernere Erweiterung desselben: Ohne Kenntnis der verbindenden Glieder, des Sundes, der Belte, des Kattegats und des Skagerraks, ist der Charakter der Ostseefauna und ihr Zusanunen- hang mit der P^auna der offenen IMeere, in erster Linie mit der der Nordsee, nicht verständlich. Es mussten also auch jene nicht zu dem deutschen Untei'suchmigsgebiet gehörenden IMeere in Be- traclit gezogen werden. Soll die in diesem Sinne gebildete Gebietsunigrenzung nicht unnatürhch erscheinen, so darf nicht ausser Sicht gelassen werden, dass sie ein Kompromiss zwischen politischer

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und natürlicher Begrenzung ist. Der Kern des Gebiets ist die deutsche Literessensphäre, als deren Centren Helgoland und Kiel anzusehen sind.

Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass die vorliegende Synopsis nicht als abscliliessendes Werk angesehen werden soll. Wie schon oben angedeutet, ist es zur Zeit nicht möglich, eine einigermassen vollständige Zusammenstellung der Polychaeten unseres Gebietes zu geben. Dazu bedarf es noch jahrelang wiederholter Sammelexkursionen sowie der Untersuchung an lebendem und frisch konserviertem Material. Meine Absicht war, eine Skizze von dieser Polychaetenfauna zu Hefern, die den interessanten, komplexen Gharakter derselben zur Anschauung bringt und weiteren Forschmigen als Grundlage dienen mag.

Wesentlich erleichtert wurde mir der kritische Teil der Arbeit durch das reiche Vergleichs- material des Hamburger Museums. Besonders wertvoll war mir die umfangreiche, von Herrn Pi'ofessor K ü k e n t h a 1 bei Spitzbergen erljeutete , von Herrn Dr. v. M a r e n z e 1 1 e r bearbeitete Sammhmg, ferner eine Anzahl von Mittehneer-Polychaeten , teils von der Zoologischen Station im Golf von Neapel, teils von Herrn Dr. v. Marenzeller in der Adria gesammelt.

Morphologische und systematische Erörterung über eiuzehie ilrten.

NycJiia cirrosa Pall.

Nychia cirrosa scheint ein sehr ungeselliges Tier zu sein. In den 15 unten angeführten Fängen ist sie nur ein einziges INLil durch 4 Exemplare vertreten; sechs M:d wurden zwei Stück gefangen, die übrigen acht Mal nur je eins.

Die meisten der vorliegenden Stücke sind sehr klein, etwa (S mm lang. Sie besitzen zum Teil noch nicht die volle Segment- und Elytren-Zahl, sind also noch nicht ausgewachsen. Mittel- gross (18 mm lang) ist eines der beiden von Dr. Timm gesammelten Exemplare. Von hervor- ragender Grösse sind die beiden Helgoläiider Stücke. Das grössere derselben ist 55 mm lang und übertrifft noch das grösste der mii- zur Vergleichung vorliegenden Spitzbergen-Exemplare (Küken- thal leg., V. Marenzeller det.), welches eine Länge von etwa 35 mm aufweist. Auch durch ihren Habitus sind die Helgoländer Tiere auffallend, ^^'ähl•end Xi/chia cirrosa im allgemeinen eine farblos-gi-aue oder schwach gelb-graue Rückenfärbung zeigt, sind diese Tiere auf der Rückenseite mtensiv ziegelrot gefärbt. Diese Färbung l)eruht darauf, dass sich an der Aussenseite der Elytreu, besonders an den C'ilien derselben, ein feiner, roter Schlannn festgesetzt hat. Auch die Rücken- cirren und die Borsten, besonders stark die der dorsalen Bündel, sind mit diesem Schlamm, dem Derivat des roten Helgoländer Felsens, bedeckt. Von grösserer Bedeutung noch mag eine andere Abweichung der in Rede stehenden beiden Stücke sein: Die Elytren decken nicht den ganzen Rücken, sondern lassen die letzten 3 bis 4 Segmente frei. Dabei ist die Zahl der Segmente eine normale, nänüich 37. Wenngleich die Tiere verhältnismässig sclilank sind und etwas gestreckt erscheinen, so würden meiner Schätzung nach die Elytren selbst bei grösstmöglicher Zusannnen- ziehung des Hinterendes das letzte oder die l)eiden letzten Segmente noch frei lassen.

Hamiothoe hiipar Johnst. var. tiov. Pagenstecheri.

(Tafel I, Fig. 1.)

Als Haniiothol' imjiar Joluist. var. rayensfcrltcrl bezeichne ich eine von Herrn Professor Pagenstecher bei Helgoland gefundene Polynoide, die hi mancher Hinsicht von der H. iiiipar

ö M i c h a c 1 8 e n , Die Polychaetenfauiia der dcut?^chen ^leere.

Jolmst. abweicht. Ich lasse eine eingehende Beschreibung dieses Tieres folgen, da es mir nicht ausgesclilossen erscheint, dass eine nähere Untersuchiuig der H. t'mpar eine Abtrennung dieser Form erfordert.

Grössen- und Form Verhältnisse: Das Tier ist 21 mm lang und im Maximum mit Borsten 9 mm, ohne Borsten 7 mm, ohne Ruder 3 mm. breit. Das INIaximuni der Breite liegt ziemlich weit vorne, etwa am 13. Segment. Der Körper verschmälert sich nach vorne, wenn man von den kürzer werdenden Rudern absieht, nur wenig; nach hinten nimmt seine Breite gleichmässig ab. Rücken luid Bauch sind schwach gewölbt. Der Bauch zeigt eine schmale, etwas vertiefte durch zwei feine und scharfe Längsfurchen begrenzte Mittelpartie, die sich gegen das Vorderende etwas verbreitert.

Die Zahl der Segmente beträgt bei diesem nicht ganz vollständigen Stück 35. Es felilt das Aftersegment und vielleicht auch noch eins oder zwei (mehr wohl kaum) der borstentragenden Segmente.

Färbung: Der Körper des Tieres ist fast pigmentlos. Das bunte Aussehen des Tieres wird ausschliesslich durch die Pigmentierung der Körperanhänge, in erster Linie der Elytren bedingt. Die Elytren tragen unregelmässige, grünlich-graue Pigment-Flecken und -Sprenkel; entsprechend dieser Elytren-Pignientierung findet sich je ein kleiner Pigmentfleck auf den Höckern, die ober- halb dei' Rücken cirren stehen und den Elytren entsprechen. Die Fühler, Fühlercirren und Rücken- eirren sind an der unteren Hälfte rötlich und tragen ausserdem einen meist sehr undeutlichen, häufig gar nicht erkennbaren rötlichen Ring unterhalb der Spitze. Die Basalstücke der Fühler, Fühlercirren und Rückencirren sowie die Subtentakel sind pigmentlos.

Kopf und Kopf anhänge: Der Kopf läppen ist ungefähr 1 mm breit bei einer maximalen Länge von 0,6 mm. Er besteht aus zwei dick birnförmigen Hälften, die nur an der Basis zusammenhängen. Der spitzwinklige Einschnitt zwischen ihnen, der durch das Basalstück des unpaarigen Fühlers ausgefüllt wird, endet 0,07 nun vor dem Hinterrande des Kopflappens. In seiner Verlängerung findet sich eine mediane, die Ijeiden Kopflappenhälften trennende Längs- furche. Der Kopflappen trägt vier mittelgrosse (Durchmesser = 0,14 mm), mit hellerer Linse ausgestattete Augen, zwei ziemlieh weit von einander entfernt hart am Hinteirande und zwei noch Aveiter von einander entfernte an den Seiten des Kopflajjpens, dort, wo er seine gi'össte Breite besitzt.

Das zwischen den l)eiden Kopflapjjenhälften entspringende Basalstück des unpaarigen Fühlers ist regelmässig abgestumpft-kegelförmig (0,7 mm lang und im Maxinunn 0,4 mm breit) und ragt ziemlich weit ülier die Spitzen der Kopflappenhälften hinaus. Der Fühler ist im Anfang so dick wie das äussere Ende des Basalstückes (0,25 mm); er verschmälert sich nur sehr wenig; unterhalb des äusseren Endes ist er schwach aufgetrieben; tlas Ende ist bleistiftartig zugespitzt und die Spitze haarförmig aufgezogen. Die ganze Länge des unpaarigen Fühlers (mitsamt dem Basalstücke) beträgt ungefähr 3 nun. Der unpaarige Fühler ist mit Ausnahme der nackten liaar- förmigen Spitze dicht mit langen, fadenförmigen Papillen besetzt. Die Länge derselben (etwa 0,18 nun) kommt dem Durchmesser des Fühlers nahe.

Ilaniiot/ior hiipar Johii.-t. rtir. nor. Pa<jrn.ytc<:l(cri. 9

Die pa;ii'igeii Fühler entsjirmgen unter dem Kopflappen, hart neben dem unpaarigen. Sie gleichen diesem an Gestalt, doch sind sie weit kleiner, etwa 0,85 mm lang und an der Basis (1,17 nun l:)reit; ihre Papillen sind nieht nur absolut, sondern auch relativ kleiner als die des un- paarigen Fühlers.

Die Palpen, deren Dimensionen liei der grossen Kontraktilität dieser Organe zm- Charakterisierung des Tieres nicht l:)enutzbar sintl, sind olierflächlioh fein geringelt und ti-agen nur Ijei starker A'ergrösserung erkennbare, zerstreut stehende, stiftformige Papillen. Als maximale Länge dieser letzteren fand ich 0,02.") mm.

Ein bemerkenswerter Charakter liegt in der Gestaltung der Fülilereirren. (Fig. 1.) Dieselben sind deutlich ^•erschieden gross und sie stehen niclit auf einem einheitlichen, gemein- samen Basalstück, sondern auf gesonderten, bis zu einem gewissen Grade mit einander ver- wachsenen Basalstücken. Das dorsale Basalstück ist dicker und länger als das ventrale, so dass es dieses letztere überragt. Die beiden Basalstücke sind etwa l)is zur halben Höhe des oi'össeren dorsalen verwachsen; doch lassen zwei fast bis an den Grund verlaufende Längsfurchen noch die Linie der Verwachsung erkennen. An der Vorderseite erhellt sich ein stumpfer Höcker, das Rudi- ment eines Fussstuuunels , von dem dorsalen Basalstück ab. Das Ende einer kräftigen, fein zu- gespitzten Acicula ragt in diesen Höcker hinein. Oberhalb der Acicnla treten zwei kräftige Borsten oder nur eine aus dem dorsalen Basalstück (oder dem dorsalen Band des Fussstummelrudiments ?) heraus. Ihrer Lage entsprechend sind diese Borsten als dorsale anzusehen und damit stimmt ilire Gestalt überein. Sie sind zwar kleiner als die kleinsten der normal entAnckelten Borsten der dorsalen Bündel, auch etwas stärker gekrümmt, besitzen al:)er die gleiche Spitzenform imd Skulptur. Sie sind bei weitem nicht so sclilank wie die entsprechenden Borsten in ]\I a 1 m - g r e n s Zeiclmung von H. hnpar.^) Wie das dorsale Basalstück, so ist auch der dorsale Fühlercirrus grösser als der ventrale. Vm Kontraktionsunterschiede handelt es sich hier sicher nicht ; denn der grösseren Länge entspricht nicht eine geringere Dicke, wie es Ijei einer auf ]Muskel- thätigkeit beruhenden ungleichen Streckung gleich grosser Organe der Fall sein müsste, sondern eine grössere Dicke. Der dorsale Fühlercirrus ist mit dem Basalstück ungefähr 2,7 mm lang, also wenig kürzer als der unpaarige Fühler. Der ventrale Fühlercirrus ist nur etwa 2 mm lang, also ungefähr ^'^ so lang ^\\e der dorsale. In der Form und der Ausstattung mit Papillen gleichen die Fühlercirren dem unpaarigen Fühler.

Bei den von mir untersuchten, im übrigen mit H. impar Jolmst. (Älgr.) übereinstimmenden Stücken von H. impar fand ich die gleiche Gestaltung der Fühlercirren-Basalstücke (samt Fuss- stummelrudiment, Acicula und Borsten). Die Fühlercirren selbst waren stets abgefallen, so dass ich über eine Grössenverschiedenheit derselben nichts sicheres aussagen kami ; wahrscheinlich gleicht die vai-. Putjcnsfecheri hierin der typischen Form.

') Jralmgren: Xordi.ska Hafs-Annulater (Öfv. K. Vet.-Ak. Fih-h., ISO.j) - Tat' IX, Fiu;'. 7 A.

10 Miehaelsen, Die Polvchaetenfauna der deutschen Meere.

Ruder: Der ventrale Riulerast ist nach oben und aussen schräg abgestutzt. Die dm-cli die Abstutzung entstehende äussere und obere Spitze ist in einen platt gedrückt kegelförmigen Lappen ausgezogen und aus der Spitze dieses Lappens ragt das freie Ende einer Acicula noch ziemlich weit hervor. Der dorsale Ast ist niedrig gewölbt und ebenfalls in eine Si)itze aus- gezogen; diese ist jedoch kleiner als die des ventralen Astes mid entspringt unten dicht über der Oberseite des ventralen Astes. Aus dieser Spitze des dorsalen Astes ragt eine Acicula sehr weit hervor. Auf der Grenze zwischen dem Bauch und der unteren Ruderkante findet sich eine stummei- förmige, verhältnismässig grosse Ventralpapille. An der unteren Kante des ventralen Ruder- astes steht auf einer schwachen, höckerartigen Hervorragung ein schlanker Bauchcirrus von etwa 0,7 mm Länge. Er erreicht, an das Ruder angelegt, nicht die Kuppe desselben. Der Bauch- cÜTUs trägt viele kleine, stiftchenförmige Papillen von ungefähr 0,02 nun Länge, die in zwei unregel- mässigen Längsreihen angeordnet sind. (M a 1 m g r e n zeichnet den Bauchcirrus von H. iiiqxir glatt 1. c. Taf. IX. Fig. 7 B. Ich fand an zwei Fxissstummel-Präparaten von H. 'uiipur zwei bezw. 3 einzelne Papillen, so dass hier wohl kaum ein durchgreifender Unterschied zwischen der typischen Form und der Varietät zu finden ist.) Die Rücken cir reu entspringen dicht über dem dorsalen Ruderast. Sie sind ungefähr so lang wie der ol>ere Fühlercii-rus (etwa 2,6 mm) und haben dieselbe Gestalt wie dieser und die Füliler; nur erscheinen die fadenförmigen Papillen, mit denen er dicht besetzt ist, meist viel länger als bei jenen Kopfanhängen. Die Länge einer ge- messenen Papille l^eträgt 0,25 nun, übertrifft also die Dicke des Rückencirrus beträchtlich.

Borsten: Die dorsalen Borsten sind dick (im Maximum 0,045 mm) und ragen ver- hältnismässig wenig weit aus dem Ruder heraus (im Maximum 0,13 nun). Die längeren sind wenig gebogen, die ol)en stehenden kürzeren etwas stärker. Die konvexe Seite ist mit zahlreichen Querreihen feiner Stiftchen besetzt. Die Spitze ist einfach, wenig scharf.

Die ventralen Borsten sind schlanker, im Maximum 0,03(5 nun dick und ragen um 1,7 mm aus dem Ruder heraus. Sie sind nur schwach gebogen. Die Erweiterung unterhalb der Spitze ist mit zahlreichen, aus feinen Härchen zusammengesetzten, vielfach zerschlitzten Blättchen besetzt. Die glatte äusserste Spitze ist etwas gebogen und ti-ägt meist ein kurzes, schlankes Zähnchen (etwa halb so lang wie der Hauptzahn). Nur wenige (ungefähr 5 bis (3) der zu unterst stehenden ventralen Borsten sind einfach, ohne Nebenzahn.

Elytren und El ytr enst um m el: Die El y treu bedecken den ganzen Rücken (wie nach Schätzung des fehlenden Hinterendes angenommen werden muss). Ihre Anorchiung ist die für die Gattung Harmotlioe normale. Die Elytren des ersten Paares sind kreisförmig, die der folgenden Paare nierenförmig , die letzten Paare breit oval. Die Elytren sind mit zahlreichen mikroskopisch kleinen, durchschnittlich 0,05 nun liolien Körperchen lie.setzt. Von der Seite ge- sehen hallen dieselben das Aussehen eines scharfen, niedergedrückten, hohlen Dornes. ^''on oben betrachtet zeigen sie keine Spitze, sondern eine schmale Scluieide. Häufig werden die Kuppen dieser Körperchen infolge kleiner warziger Auswüchse unregelmässig. Diese Körperchen stehen auf kleinen, holilen, kreisförmigen Erhöhungen. Falls sie abgebrochen sind, was stellenweis geschclu'n

Haniiotluw iiiilirirala L. J-J-

ZU sein scheint, so bleibt nur tliese ringförmige Erhöhung übrig. (Derartige Dörnehenpostamente sind wohl die ringförmigen Elytren-Körperchen von LaoiiUa ocidimviim Storni.) Ausser diesen mikroskopisch kleinen Körperchen tragen die Elytren grössere, die schon mit blossem Auge erkenn- bar sind. Diese letzteren sind meist regelmässig kugelig, kurz und eng gestielt (nicht hallikugelig und mit breiter Basis aufsitzend wie bei H. impar). Ihr Durehmesser kann bis 0,25 mm l>etrageu. Bei starker Vergrösserung erkennt man, dass die obere Seite dieser Kügelchen mit zalih-eichen, dichtgestellten kurzen Dörnchen besetzt ist. Wenige dieser grossen Körperchen sind etwas in die Länge gezogen; einzelne beobachtete ich, die abgestutzt keulenförmig waren. Diese unterschieden sieh auch dadurch von den übrigen, dass die Zahl der ihnen anhaftenden Dörnchen viel geringer war. Zahlreiche fadenförmige Papillen sitzen am äusseren und hinteren Rande der Elytren; viele andre sind zerstreut über die Oberfläche derselben. Die längsten Papillen am Hinterrande, wo sie zugleich besonders dicht standen, massen 0,18 mm.

Die Segmente der Rückencirren tragen an Stelle der Elytren einen kleinen Höcker jeder- seits oberhalb der Basis der RückenciiTen. Durch einen kleinen Pigmentfleck gewinnt dieser Höcker noch an Deutlichkeit.

Harinotlwe inibrkata L.

Es ist mir halbwegs unverständlich, dass diese an den Küsten der Nordsee durchaus nicht seltene Art in der Ausbeute der Fischerei- Vereins-Expeditionen auch nicht durch ein einziges Exemplar vertreten erscheint. Wenn ich eine Erklärung dieser auffallenden Tliatsache zu geben versuche, so darf nicht unerwähnt bleiben, dass ich selbst noch nicht vollständig von der Eichtig- keit dieser Erklärung überzeugt bin.

Ausgiebige Angaben über das Vorkommen von //. imbricafa in der Xordsee finden wir in dem Bericht über: ,,Die Expedition zur physik. -chemisch, und biolog. Unters, der Nordsee im Sommer 1872/73, pag. IGö". Aus diesen Angaben lässt sich ersehen, dass das Tier sow^ohl in allen möglichen Tiefen (0 106 Fd.) wie auch in den verschiedensten Lokalitäten (Sand, Schlick, Felsen, totes Seegras etc.) leben kann. Markiert man aber die Fundstellen auf der beigehefteten Karte, so sieht man, dass die meisten derselben den Küsten sehr nahe liegen, keiner dagegen in den vom Lande fern gelegenen Mittelgebieten. Nur 4 von den 18 Fundstellen sind weiter als 10 geogr. jNIeilen vom Lande entfernt und keiner derselben ist mit einem ,,h", dem Zeichen der Häufigkeit behaftet. Auf che 37 Beobachtungsstationen an der Westküste Norwegens (31 ü7) fallen 7 Fundorte der H. imbricafa, auf die IG bei der Durchschiffung der nördlichen Nordsee gemachten Stationen (67 82) nicht ein einziger. Es lässt sich hieraus vielleicht der Schluss ziehen, dass H. imbricafa in gewissen Lebensperioden an die Nähe der Küste gebunden ist, vielleicht, dass sich die Brut nur in diesen Gebieten entwickeln kann. Da die Stationen der Fischerei- Vereins-Expeditionen gi-össtenteils in bedeutender Entfernung von der Küste gewählt wurden, so wäre nicht zu verwundern, wenn die H. imbricafa zu den selteneren Tieren der Ausbeute gehörte

l'i Michaelsen, Die Polychaetenfauna der deutschen Meere.

Dazu ist ferner in Betracht zu ziehen, dass H. 'niihrivafa die zarteste der Nordsee-Polynoiden ist, die bei einfacher^ Alkohol-Behandhuig sofort die Elytren abwirft, zerbricht und unkenntlich wird. Ich habe nur zwei brauchbare KonserAieriuigsmethoden ausfindig machen können : Flu- histologische Untersuchungen brauchbares Älaterial erhält man, wenn man die H. imhricata-'^iÜQke plötzlich mit emer grossen Quantität wässriger, kalt gesättigter, ziu- Siedehitze gebrachter Sublimatlösung über- giesst, darauf gut auswässert und mit Alkohol weiter behandelt ; vorzügliche Schaustücke ergiel)t die zweite Methode, die darin l)estelitj dass man zu einer grossen Menge Seewasser, in dem sich die Tiere aufhalten, einen oder zwei Tropfen einer wässrigen Sublimat- Lösung giebt; die Tiere werden zuerst etwas unruhig, ermatten dann mid können schliesslich, ohne sich krampfhaft zu kontrahieren, in Alkohol gesetzt werden. Bei dieser ]Methode halten sicli die schönen Farben und Zeichnungen der Elvtren. Der Erhaltungszustand der zur Bearbeitung vorliegenden Ausljeute ist kein solcher, dass das Fehlen von guten IL i)iil/rii'tifii-yTitücker\ auffallend wäre; immerhin ist es mir unverständlich, dass nicht wenigstens erkennbare Bruchstücke aufzufinden sind.

PJioloe eriniia Jolmst. (Taf. I, Fig. 2.)

Bei A^'ilhelmshaven findet man am Ebl^estrande nicht selten grosse, steinartige Klumpen, die aus zusannnengekitteten Röhren von Sabdlaria sj)i/iiiloso Leuck. bestehen. Der grösste Teil der Röhren ist leer, wenige sind noch v(jn den Sabellarien l^ewolmt. Zerbröckelt man diese Klumpen, so kommt nicht selten eine winzige Sigalionide zum Vorschein, die sich die (leeren ?) Sabellarien-Röhren zum A)"ohnort auserwälilt hatte. Es ist eine Plioloi', die von der weit \qy- breiteten und auch in der Nordsee häufigen PJioloc nihuifa Fabr. durch verschiedene Eigenlieiten abweicht, dagegen sein' gut mit Johnston's Ph. c.riniiu^) übereinstimmt. Ich glaube, dass die Unterschiede zwischen diesen Tieren und der Stamm-Art der Gattung Pholui' bedeutend genug sind, um die Aufrechterhaltung der Art Pli. e.riin/d Jolmst. zu rechtfertigen.

AVährend Ijei Fh. »liiii/fd, die mir in Exemplaren aus der Nordsee sowie von Grönland vorliegt, ein breiter Streifen des jNIitt drücke ns am Vorderkörper frei l)Ieibt, greifen bei 7%. exhnia die Elytren beider Seiten übereinander, so dass nur winzige, isolierte rautenförmige Pallien des Mittelrückens unljedeckt bleiben. In dieser Hinsicht gleicht Pli. erimia einer P/ioIoe, die Herr Dr. Vanh offen in Gröiüand sammelte, und die ich glaube der Pli. fccfa Stimps. '-) zuordnen zu müssen. Ein zweiter Unterschied zwischen beiden Arten liegt in der Länge und der Anordnung der Elytren -Papillen. Bei Ph. e.n'itiia (Fig. 2 b) sind dieselben besonders am Hinterkörper relativ viel länger als bei P/i. iiitnuta. Während die Papillen l)ei dieser letzteren Art (Fig. 2 a) höchstens dem achten Theil des grössten Elytren-Durchmessers gleichkommen, erreicht die Länge der Papillen bei PJi. ('xunia nahezu den vierten Teil des grössten Elytren-Durchmessers. Der

') Johnstun: A. Catalogue (if thc British Kon-iianisitical \\'iiniis, Londmi 18(i5 ]>g. 122 und Taf. VI, Fig. 1 5. ') Stiinpson: Synopsis of tln- nuuinr [uvertebrata of Grand Manan (Snüfhoniau CVintributions to knowledge, 1853) pg- 3ti.

Plio/oe r.rlniia Jubn.-^t. 13

Hinterkörper der Ph. eximia sieht infolgedessen ^•iel rauher, aus als der der Ph. minuta; auch erscheinen in der Eückenansicht die seitlichen Ränder bei PJi. exiinia in Folge der weit nach aussen ragenden Elytren-Papillen grob gefranzt. Bei Ph. exiiiiiu kann man wie bei Ph. mhinfa eine regelmässige Reihe randständiger Papillen und zerstreute, besonders zahlreich an den Elytren des Vorderkörpers auftretende flächenständige Papillen unterscheiden. Die Bezeichining der ersten Gruppe als randständige Papillen entspricht nicht ganz genau der thatsächhchen Stellung. Direkt randständig sind nm- die Papillen des äusseren Seitenrandes sowie der äusseren Hälfte des Hinter- randes des Elytrons. Nach der Rückenmittellinie zu treten die Papillen des Hinterraudes all- mählich vom Rande zurück und auf die obere Fläche des Elytrons hinauf. Ein k(5nstanter Unter- schied zwischen Ph. iniit/tfa und Ph. c.rimia besteht nun darin, dass sich die Papillen bei der ersteren Ai't nur wenig (kaum merklich) vom Rande entfernen, wälu-end sie bei Ph. cv/mia soweit auf die Oberfläche hinauftreten, dass sie im extremen Fall trotz ihrer gi-össeren Länge mit ihrem freien Ende kaum über den Rand hinüberragen.

Ph. c.fimia besitzt nicht zwei Augen, wie Johnston angiebt, sondern ner; doch sind je zwei Augen derselben Seite so nahe an einander gerückt, dass sie sich l)erühren und in der Rückenansicht zum Teil überdecken. Eine Verschmelzung des Pigments lieider Augen, wie Claparede es von Ph. sijnophthalmtca angielrt'), findet nicht statt. Ph. v.riinia scheint in dieser Hinsicht der P/i. (JofsipapiU'ita Marenz. '-) zu gleichen.

An den lebenden Tieren ist l)esonders auffallend die Beweghchkeit der Subtentakeln. Diesellien haljen die Elasticität eines dünnwandigen Gummischlauches. Bei vollständiger Kontraktion verschwinden sie ganz unter dem Vorderrande des ersten Elytrenpaares ; l)ei der Streckung ver- längern sie sich \\m mehr als das Doppelte, während gleichzeitig ihre Dicke abninunt. Daliei lie- finden sie sich unaufhörlich in einer tastenden Bewegung; bei Berührung mit einer fehlen Nadel schrecken sie zurück wie die Fühler einer Schnecke. Es ist augenscheinlich, dass die relative Länge solcher Organe nicht als Artmerkmal benutzt werden kann.

ö

Tm Bau der Ruder stinunt P]i. eximio mit I'h. »liniifa überein; doch ist die Anordnun»' der Papillen eine andere. AVährend sie liei Pli. iiiii/tifd hauptsächlich auf der Kui)pe des ventralen Astes stehen, finden sie l)ei Ph. cxliina ihre höchste Ausbildung auf der unteren Kante des ven- tralen Astes, innerhalb der Banchcirren, ja sogar auf dem Bauehe selbst. Die ersten finden sich schon an der Aussenseite der beiden Längswülste, welche die Bauchfmx'he zwischen sich ein- schliessen. Vom Bauchcirrus nach aussen, gegen die Kuppe des ventralen Astes zu, nehmen sie an Zahl und Grösse al). Auch auf der Kuppe des ventralen Astes glaubte ich in einzelnen Fällen wenige Papillen zu erkennen (1 oder 2, etwa wie liei Ph. ilor.'^ipiipi/lafa); dnch kann ich mich hierin getäuscht haben; infolge von Schmutzansannnlung zwischen den basalen Partien der Borsten

') Claparede: Les Ann(Mides dietopodes du Golfe de Naples: Genfeve et Bale, 1868 pg. 88 ii. PI. III, Fig. 1.

") V. Marenzeller: Pohxliaeten des Grundes,ge,s. 1890, 1891 u. 1892in: Ber. Comm. Erforsch östl. Mitt3lmeers(Deiikschr. math.-nat. Cl. K. Ak. Wi^s. Bd. LX) pg. 30.

14 Micliaelsen, Die Polychaetenfauna der deutschen Meere.

Hess sich das nicht genau feststellen. Jedenfalls finden die Papillen hier nicht jene bedeutende Entwicklung an Zahl und Grösse wie bei Ph. minuta.

In der Gestalt der Borsten scheint Fh. exim'ut der Pli. mhud(( durchaus zu gleichen.

Lnmbriconereis Navdoiiis Grube.

An verschiedenen Stationen ist eine Liiiiibr/couere/s-Art gesammelt worden, die der Gruppe ,,A" nach Grube angehört, da die ersten Ruder mit zusammengesetzten Borsten ausgestattet sind. Die nähere Untersuchung einiger Exemplare ergab, dass man es hier mit Vertretern der Luinhrico- nereis Nardonis Grube zu thun habe. Besonders hervorheben will ich nur die volle Ueberein- stimmung des Unterkiefers mit den Angaben und der Abbildung Ehlers' (Borstenwürmer pg. 385 u. Taf. XA^I, Fig. 30), weil hierin das bedeutendste ISIerkmal gegenüber der nahe verwandten L. tinijens Kef. liegt. Erwähnen will ich ferner noch, dass bei einigen Exemplaren das erste Buccalsegment am Rücken doppelt so laug ist wie das zweite, bei anderen aber nur wenig länger oder ebenso lang wie das letztere; ich glaube deshalb, dass man es hier nur mit Kontraktions- erscheinungen zu thun hat.

L. Nardonis, als deren Hauptgebiet das Mittelmeer und die atlantische Küste Frankreichs zu gelten haben, beherrscht nur die südlichsten Gebiete der Nordsee. In der östlichen Hälfte derselben dringt sie zwar bis zu 56" 3G ' X. B. nach Norden; doch macht ihr hier die L. frayüis O. F. Müll, das Gebiet streitig. Jener Breitengi-ad wird wohl nahezu die nördliche Grenze des Verbreitmigsgebietes von L. Nardonis sein. Die arktische L. frayilis ist andrerseits in den nörd- lichen Teilen der Nordsee die häufigste ihrer Gattung. In den östlichen Partien erstreckt sich ihr Gebiet als schmaler Streifen bis nach Helgoland hinmiter. Dieser Verbreitungsstreifen scheint sich östlich von dem Gebiet der L. Nardonis zu halten, wenigstens liegen die Fundorte des mir vor- liegenden Materials, wenn sie nicht mit denen der L. Nardonis identisch sind, also die Grenze beider Gebiete markieren, östhcher als die der L. Nardonis. In den mittleren und westlichen Teilen der Nordsee scheint L.fragilis durch die übrigen Nordsee- Arten, L. Nardonis Grube, L.fntilis Kinb. und L. minuta Theel ersetzt zu sein.

Luinhriconereis fatilis Kmb. (Taf. I, Fig. 3 u. 4.)

Von den unten angegebenen Stationen, die ihrem Charakter nach (Tiefe und Bodenart) eine bemerkenswerte Gleichförmigkeit zeigen, stanunt eine kleine Lumbriconereide, die ich auf den ersten Blick für identisch mit der- ebenfalls aus der Nordsee stammenden L. fidiUs Kinl).*) hielt. A^"ie diese, so ist auch die vorliegende Form durch die auffallende Länge und Schlankheit des Koj)f- lappens charakterisiert. Bei näherer Untersuchung zeigten sich jedoch Differenzen, die eine Ver-

') Kinbore: Aiiiuikta iiova lüfv. K. Vet.-Ak. Förh. ISiU) - p. 5fi8.

Lumhriconereis futilis Kinb. 15

einignng beider Formen nicht durchaus sicher erscheinen hessen. L. futilis soh mit zusammen- gesetzten Borsten ausgestattet sein ; die mir \-orhegenden Tiere jedoch besitzen Avie L. frai/ilis in den ersten Rudern mir Haarborsten, in den Rudern des ]\Iittelk()rpers Haarborsten und Haken- borsten ; auch konnte ich bei keinem Stück eine Spur a-ou Nackenläppchen erkennen und die ersten Sägeplatten zeigten einen zwar abgerundeten, al^er immerhin noch deutlich erkennbaren zweiten Zahn. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Kinlierg junge Exemplare der in diesem Gebiet nicht seltenen L. Nardoiiis mit dem eigentlichen L. futilis zusammengeworfen hat. Vielleicht handelt es sich hier auch nur um eine Form, Ijei der in verschiedenen Altersstufen verschiedene Borstenformen auftreten. Ich lasse eine ausführliche Beschreibung meiner Untersuchmigsobjekte folgen.

Grössen- Verhältnisse: Keines der untersuchten Stücke ist vollständig; allen fehlt das Hinterende. Es ist also über die Länge keine Angalie zu machen. L. futilis ist jedenfalls eine ziemlich kleine Lumbriconereide. Das grösste Exemplar zeigte folgende Dimensionen: Maximale Breite des Körpers ohne Ruder 0,95 mm, mit Rudern 1,3 nun. Maximale Borsten - Spannweite (geraessen von der äusseren Spitze der am weitesten vorragenden Haarborste bis zur äusseren Spitze der entsprechenden Haarborste des gegenülierstehenden Ruders) ungefähr 2,5 mm, also fast 3 mal (genauer 2,64 mal) so gross wie die einfache Körperbreite.

Kopf: Der Kopflappen ist auffallend lang und schlank, so lang wie die \der ersten Körpersegmente zusannnen oder sogar noch etwas länger. Bei dem grössten Stück betrug seine Länge 0,8 nun, seine grösste Breite 0,44 mm. Er ist konisch oder schwach Spitzbogen-förmig geschweift, an der Basis schwach verengt, vorne zugespitzt oder schmal abgerundet. Er zeigt mein- oder weniger deutlich mehrere, sich nach vorne zu verflachende Längsfurchen, von denen besonders zwei auf der Grenze der A^entralseite und der lateralen Partien schärfer ausgeprägt sind und an die Flimmergruben am Kopf der xSemertinen erinnern. Xackenläppchen konnte ich l)ei keinem Stücke erkennen. Aus der Mundöffnung ragen zwei abgerundete Mundpolster mehr oder weniger weit hervor.

Segmente: Das erste Segment ist an der Rückenseite fast doppelt so lang ^vie das zweite. Dieses letztere tritt ventralmedian, das erste Segment durchsetzend, an den jMundrajid heran. Die relative Länge der Segmente ist bei verschiedenen Exemplaren sehr verschieden; ich halte deshalb eine diesbezügliche Zahlen-Angabe für unzidässig. Im allgemeinen sind die Segmente des Vorder- körpers relativ kürzer als die des ]\Iittelkörpers. Die Dicke des Körpers ninnnt vom Kopfende nach hinten mu- langsam zu.

Ruder: Die l)eiden ersten Segmente sind ruderlos. Die Ruder der nächstfolgenden Seg- mente sind niedrig, breit, warzenförmig und besitzen eine grosse, das eigentliche Ruder an Höhe weit überragende hintere Lippe. Diese letztere ist gleichseitig dreieckig, an der Spitze sehr schmal gerundet. Da sie an der Basis manchmal schwach verengt ist, so kann sich ihre Gestalt der Herz- form nähern. Eine vordere Lippe ist an den ersten Rudern nicht ausgebildet. Vor der Lipi)e treten die Borsten aus dem Ruder aus. Nach liinten zu werden die Ruder allmählich sclnnäler und höher, schärfer abgesetzt; die Hinterlippe verringert sich bedeutend und zugleich l)ildet sich

Ib Michaelsen, Die Polychaetenfauna der deutschen Jleerc.

eüie vordere Lippe aus, die schliesslich der hinteren Lij^pe an Grösse kaum nachsteht. Die Borsten treten dann zwischen den beiden Lippen aus den Rudern aus. Etwa am 18. Segment (eine scharfe Grenze ist wolil kaum zu ziehen) mögen die Ruder ihre definitive, am j\Iittelkörper konstante Gestalt (von den Borsten abgesehen) erlangen.

Borsten: Die Borsten der ersten Ruder sind wie bei L. frar/ilis sämtlich einfach zu- gespitzt, breit gesäumt, fächerförmig angeordnet. Ich zählte im Maximum 11 in einem Ruder. Auf dem Wege von vorne nach hinten erfahren diese Borsten eine recht charakteristische Um- wandlung. Sie werden länger und schlanker; ihr Saum wird schmäler, ohne jedoch ganz zu ver- schwinden, und ihre Spitze zieht sich nach und nach immer länger, fein haarförmig, aus. Ln Maximum ragen sie schliesslich t),0 mm weit aus den Rudern hervor, also um fast -/^ der einfachen Körperbreite. Eine scharfe Grenze zwischen den verschiedenen Formen ist natürlich auch in diesem Falle nicht anzugeben ; die L^mwandlung mag etwa mit dem 25. Segment beginnen und etwa mit dem .35. Segment das Maximmu erreichen. Bis ungefähr zum 50. Segment bleibt die Gestalt der einfach zugespitzten Borsten konstant. Von hier ab verringert sich ihre Länge be- ti'ächtlich; doch bleilien sie schlank und mn- sehr schmal gesäumt. Noch weiter nach hinten werden sie ausnehmend zart und treten zugleich nur spärlich auf. Bei dem einzigen Exemplar, von dem überhaupt mehr als 100 Segmente erhalten waren, fand ich die letzte einfach zugespitzte Borste am 107. Segment; doch ist kaum anzunehmen, dass dies schon die äusserste Grenze ist, da die Ruder in dieser Region stark beschädigt und zum Teil ihrer sämtlichen Borsten beraubt waren.

Ungefähr vom 18. Segment an treten einfach hakenförmige Borsten zu den einfach zu- gespitzten hinzu. Anfangs finden sich diese Hakenborsten nur spärlich, einzeln oder zu zweien; nach und nach aber vermehren sie sich, um mit dem Zurücktreten der andern zur Vorherrschaft zu gelangen. Am Hinterende dürften sie wohl, wie bei L. fragilis, die einzige Borstenform sein; jedenfalls fand ich an dem schon oben erwähnten Exemplar an denen der letzten vorhandenen Segmente (108 bis 117), die überhaupt noch Borsten besassen, nur Hakenborsten.

Kieferapparat: Die Gestalt und Lagerung der Stücke des Oberkiefers soll in Fig. 4 veranschaulicht w^erden. Die einander zugewendeten Ränder der beiden Kieferträger sind gradlinig. Jeder Kieferträger besteht aus einem Kreissegment-förmigen hinteren Teil und einem kleineren, nach der Seite zu abgermidet-flügelförmig vorspringenden Vorderteil. Ihr Vorderrand ist abgerundet stumpfwinklig. An den Vorderrand jedes Kieferträgers schmiegt sich der stumpfwinklig ausgeschnittene Basalrand einer ziemlich schlanken, glatten, basal verbreiterten und hier von unten her ausgehöhlten Zange an. Eine bandförmige Reibplatte liegt an der äusseren Seite des gekrünnnten Vorderteils jeder Zange. Die beiden Zähne sind verschieden gestaltet. Der rechte hat eine sechs-zähnige Schneide; die Zähnchen nehmen von vorne nach hinten an Grösse ab; die beiden letzten sind gerundet; das letzte überhaupt nur schAvach ausgeprägt. Der linke Zahn besitzt bei dem unter- suchten Tiere eine fünf-zähnige Schneide und lässt die Grössen-Abnahme der Zälmchen nicht so deutlich hervortreten. Neben jedem Zahn liegt eine kleine, abgerundet (juadratische Reibplatte. Die ersten Sägeplatten sind zweizähnig; doch ist der untere Zahn abgerundet, nur schwach buckel-

Linii/iricoliereis »liitiita Thcel. 1 7

förmig hervorragend, so dass ich nicht ganz sicher liin, ob er schon als gesonderter Zahn an- zuerkennen ist. Die zienilicli kompakte Masse dieser ersten Sägezähne geht in einen verhältnis- mässig kleinen , schmalen Flügelfortsatz ül^er. Die zweiten , vorderen Sägeplatten sind einzähnio-. Bei diesen überwiegt der breite, umfangreiche Flügelfortsatz bei weitem die verhältnismässig geringe Masse des kompakten Zahnes.

Der Unterkiefer (Fig. 3) ist sehr charakteristisch gestaltet. Die Basalteile der beiden Hälften sind auffallend schmal und lang, fast grade gestreckt, nach hinten zu nur schwach diver- gierend. Das Verhältnis zwischen der I^änge des ganzen Unterkiefers und seiner Breite in den mittleren Partien ist ungefähr 10 zu 1. Vorne verbreitern sich die Unterkiefer-Hälften und treten ungefähr in einem rechten Winkel auseinander. Der Vorderrand trägt keinen scharfen Zahn ; doch ist der innere Teil der nach hinten konvergierenden Vorderrand-Hälften konvex vorgewölbt. Hinter den äusseren Teilen der Vorden-and-Hälften steht eine Eeihe verschmelzender Pigment-Flecken. Diese Flecken sind nach hinten und innen zu ausgezogen und bilden so allmählich schwächer werdende Pigmentstreifen, die eine konzentrische Biegiuig annehmen, die IMediane senkrecht schneiden und in die Pigmentstreifen der anderen Unterkiefer-Hälfte übergehen. Diese Pigmentierimg war l)ei dem kleineren der untersuchten Exemplare schwächer ausgeprägt.

Lnmbriconereis niintita Theel. ')

]\Iit dieser in den . Meeresgebieten von Novaja-Semlja nicht seltenen Art identifiziere ich 5 L/^/z/i/vco/HTc/s-Exemplare, die in Gesellschaft der L. fnujiJis am Kande der Doggerbank ge- dredget worden sind.

G r ö s s e n V e r h ä 1 1 n i s s e : Das grösste, aus ungefähr 170 Segmenten bestehende Exemplar dieser Ausbeute ist nur 25 nun lang, also noch nicht halb so lang, wie das grösste Theelsche Exemplar.

Kopfende: Der Kopflappen ist konisch, seitlich schwach gewölbt, vorne schmal ab- gerundet. Seine Länge gleicht fast genau seiner maximalen Breite. Das erste Segment ist dorsal wenig länger als das zweite.

Ruder: Die Ruder zeigen in den verschiedenen Körperregionen nur geringe Unterschiede. Sie sind tonnenförmig und tragen eine massig grosse, abgerundete hintere Lippe, deren Länge un- gefähr der halben Ruderlänge gleichkonnnt. Eine Vorderlippe ist nicht deutlich ausgeprägt, doch zeigt die Vorderwand des Ruders eine l)uckelförmige, blasige, meist grade nach vorne gerichtete Auftreibung, deren Kuppe wulstig \'erdickt und manchmal sehwach lippenförmig abgesetzt erscheint. Die Ruder der ersten Segmente sind wenig niedriger als die ül)rigen; doch wird die konstant liloiljende Form schon l)ald, etwa im 5. Segment, erreicht.

') Thöcl: Les Aiiiujlifk'^ iidlychi'tes des mers de la Ncjuvelle-Zcnible iK. Sveiisk. Vet.-Ak. Hamll. VA. Hil - pg. i'l und Taf. VI, Fig. 57—58.

Michaelson, Die Poh'chaetenfauna der deutschen Meere.

Borsten: Die ersten Ruder tragen Hakenborsten und Haarborsten, die Ruder des Mittel- und Hinterkörj^ers nur Hakenborsten. Haarborsten Hessen sich n(X'li am 31. Ruder erkennen, nicht weiter hinten. Es ist mir unwahrscheinlich, dass dies schon die äusserste Grenze ilires Gebietes ist; doch \iel weiter nach hinten werden sie bei den Nordsee-Exemplaren nicht gehen. Bei den Exemplaren, die Theel mitersuchte, fanden sich Haarborsten an den ersten 70 Rudern; hierbei ist aber zu berück- sichtigen, dass diese Tiere viel grösser waren als die aus der Nordsee, und dass die Borsten- anordnung mit dem Alter der Tiere wechseln kann. Die Haarborsten werden nach hinten zu etwas schlanker und ihr Saum etwas schmäler; doch ist diese Abändeiimg bei weitem nicht so bedeutend wie bei L. fiitilis.

Kieferapparat: Der Unterkiefer entspricht nn allgemeinen der Zeichnung Theels; doch sind die nach innen gerichteten Vorderränder der l>eiden Kieferhälften bei meinen Exemplaren tiefer ausgesclmitten, so dass jederseits neben dem zienüich tiefen, ki-eisförmigen medianen Aus- sclinitt des Vorderrandes ein deutlicher Zahn entsteht.

Die Gestaltmig des 0 1> e i- k i e f e r s stinniit in der Hauptsache mit den Angaben und der Zeichnung Theels überein; doch ist noch folgendes zu bemerken: Die nach hinten gerichteten Spitzen der Kieferträger sind an der Aussenseite zerfasert. Die Zähne zeigten liei lieiden unter- suchten Stücken (wie bei den Theelschen Exemplaren) vier von vorne nach hinten an Gi-össe ab- nehmende Spitzen. Theel zeichnet den Aussenrand der Zähne mit einer ziemlich flachen, konvexen Hervorragung; diese hat sich bei meinen Exemplaren zu einem grossen, flügeiförmigen, scharf abgesetzten Anhang ausgeliildet. Die ersten Sägeplatten besitzen bei den Nordsee-Exemplaren einen Kerbsclmitt unterhalb der Spitze; eine deutliche zweite Spitze ist jedoch nicht zur Ausbildung gelangt. Schliesslich sind bei den Nordsee-Exemplaren ausser den Ijeideu wimpelf örmigen , neljen den Zangen- Vorderenden liegenden Reibplatten jederseits noch zwei weiterezur Beobachtung gelangt; <lie einen sind abgerundet stumpfwinklig-dreiseitig und liegen nach aussen hin neben den faden- förniig ausgezogenen Hinterenden der Zähne; die andern sind abgermidet rechteckig und liegen nach innen zu iie))en den Spitzen der vorderen Sägeplatten.

Nereis arctica Oerst.

Syn. : Neir/'s zoiiafa Malmgr.

Nach Untersuchmig eines von Herrn Dr. Vanhöffen bei Karajak in Grönland gefangenen epitoken Weibchens kann ich mit genügender Sicherheit feststellen, dass Oersteds Hcfcroiiere/!^ aniica (Grönlands Aniuilata dorsibranchiata jtg. 179, Fig. 50*, öl, (iO, Gö, 68 und 70*) die epitoke Form von Ni'rcis zonaiu Malmgr. und nicht von der N. pclai/iva L. ist. Es nuiss also der Malmgrensche Name für diese Form dem älteren (Jerstedschen, der übrigens den Thatsachen sehr gut angepasst erscheint, weichen.

Eine ausführliche Erörterung dieser Sache l)ehalte ich mir für später vor. Ich will an dieser Stelle nur erwähnen, dass jenes epitoke Weibchen diT Haui)tsaclie nach die cliarakteristische

Kephtkys ndirlla nov. spec.

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Pigmentienmg von Xereis zonata zeigt. Geringe Abweichimgen erklären sich als direkte Folge der epitoken Umwandkmg. Dass die farblose Längsbinde auf der Rückenfläche des Kopflappens nicht bis an den Stirnrand nach vorne geht, wie es bei der atoken N. zoi/afa der Fall ist, sondern sich nach vorne zuspitzt und damit die für Heteronereis avdica charakteristische ch-eiseitige Form an- ninmat, hängt wohl mit der epitoken Yergi-össerimg der vorderen Augen zusammen. Die Pigment- binden des Körpers erscheinen an den Seiten etwas weniger scharf abgesetzt; auch hierin liegt keine Abweichimg von besonderer Bedeutung. Die für N. zoiiafn charakteristischen i^igmentlosen Streifen, die an den seitlichen Teilen des Eückens vom Hinterraude der Segmente schräg nach vorne mid gegen die Mittellinie des Rückens hin aufsteigen, sind bei dem in Rede stehenden Stück deutlich ausgejirägt.

Uebrigens ist jenes epitoke Weibchen in der Gesellschaft typisch ausgebildeter atoker Stücke von N. zonata gefangen worden.

NepIitJif/s ruhella nov. spec.

(Taf. I, Fig. ö— 8.)

Diese neue Art ist in der untersuchten Ausbeute durch zwei gut konservierte, aber leider unvollständige Stücke vertreten, zwei ^"orderenden von .38 und 41 Segmenten.

Körper-Gestalt: Die beiden Stücke müssen in ihrer Vollständigkeit eine stattliche Grösse besessen haben. Ihi-e grösste Köi-perbreite, migefähr am 22. Segment, lieträgt ohne Ruder 4 nun, mit Rudern 5 nun. (Da die Ruder nicht grade zur Seite gestreckt, sondern etwas nach hinten zurückgeschlagen sind, so muss die maximale Spannweite der Ruder noch etwas grösser als 5 mm angenommen werden.) Xai'h vorne verringert sich die Körperbreite nur schwach, nach hinten dagegen stärker, so dass die Körperbreite ohne Ruder am hinteren Ende des längsten Bruch- stückes, also am 41. Segment, nur noch 2 mm beträgt. Der Rücken ist am Vorderkörper hoch, weiter hinten schwach gewölbt. Das dorsale Mittelfeld ist im Älaximum (22. Segment) 2^/^ mm breit und verschmälert sich nach vorne schwach, nach hinten stärke?-. Am 41. Segment ist es noch l',2 nmi breit. Die Breite der Seitenflächen (Ruderhöhe) beti-ägt im ]Maxinnun ungefähr 2 mm. Die Bauchfläche ist jederseits ziemlich stark gewöll)t, median aber tief eingesenkt und bildet so eine sohleuartige Medianrinne.

Färbung: Das ganze Tier ist ziemlich gleichmässig hell rotbraim gefärbt (dmikel fleisch- farben). Die Ventralmediane Sohle ist etwas dunkler, sehnuitzig fleischfarben, und cheser Farben- ton geht nach vorne zu (Segment 15 bis (j) in ein intensiv leuchtendes, dunkles Blau über.

Kopflappen: Der Kopflappen (Fig. ö) ist nahezu so breit wie lang (l,(j mm lireit und 1,7 nun lang). Sein Vorderrand ist gleichmässig gerundet, konvex; auch seine Seitenränder sind in ilu-er längeren mittleren Partie stark gerundet, konvex; doch geht diese Rmidung vorne und hinten in eine kurze Ausschweifimg über. Der Hinterrand bildet eine median ziemlich weit nach hinten vorspringende Spitze, deren seitliche Ränder (die beiden Hälften des Hintcirandes) rundlich

■^U Michaels eil, Die Polychaetenfauna der deutschen Moere.

ausgesclinitteii sind. Die seitlichen Hinterecken des Kopflappens sind kaum merklich vorragend, schmal gerundet; sie erscheinen etwas heller und in einem Falle glaubte ich eine linsenartige Bildimg daraji zu erkennen (Augen?). Die vorderen Fühler entspringen aus den Vorderecken des Kopflappens; sie süid zieudich gross, konisch, etwa * , nmi lang, mehr oder weniger stark zur Seite gebogen. Die hinteren Fühler haben fast dieselbe Gestalt imd Grösse; sie entspringen seit- lich iinter dem Kopf läppen und sind ebenfalls zur Seite gestreckt. Die mediane, hintere Partie des Kopflap2:iens ist etwas dmikler und zeigt eine charakteristische Bildung; ein (schwach erhabenes, polsterartiges?) länglich-ovales Feld zieht sich von der medianen Hinterecke bis fast zur JNIitte des Kopflappens nach vorne. Vorne ist es deutlich Ijegrenzt, gerundet ; nach hinten zu verliert es sich in der nach hinten vorspringenden Spitze. Dieses Feld trägt in der Mitte eine scharfe, komma- förniige, azurblau leuchtende Längsfurche. Diesellie ist nur vorne scharf ausgeprägt und begrenzt; nach hinten zu wird sie schmäler und seichter und verliert sich schliesslich vor der